7. Oldenburger Filmtage [Begrüßung] [Info] [Portrait] [Programm] [VeranstalterInnen]

Sa, 20.11., 18.00  Cadillac Gartensaal
Medienbüro präsentiert

De l’autre côté du périph’

Jenseits des Stadtrings
Frankreich 1997, 150 min, Beta SP, OmengU
Regie: Bertrand und Nils Tavernier
Kamera: Nils Tavernier und Eric Philbert
Verleih: Little Bear

Am 11. Februar 1997 unterzeichneten 66 französische FilmemacherInnen einen Aufruf zum zivilen Ungehorsam gegen die staatliche Einwanderungspolitik. Einen Tag später erhalten alle Unterzeichner einen Brief vom damaligen Minister für Stadt und Integration, Eric Raoult. Die Belehrung "integration is not like the movies" verbindet dieser mit einer Einladung an die Regisseure, doch einmal einen Monat in Grand Pechèurs, einem Vorort von Montreuil, zu verbringen. Bertrand und Nils Tavernier sind nun wieder gehorsam und nehmen diese Einladung an. Sie bleiben fast 3 Monate und filmen das Leben der Bewohner in der klotzigen Betonsiedlung, "um eine Menge Klischees zu widerlegen, die es über die Vorstädte gibt. Wir haben nichts weggelassen, um auch zu zeigen, daß man die Situation dort nicht auf das Verhältnis zwischen Polizei und Delinquenten reduzieren kann. Denn in einem Viertel wie Grand Pechèurs gibt es ein dichtes Netz an Solidarität, an gegenseitiger Hilfe, es werden politische Forderungen gestellt, Kämpfe ausgefochten." (Bertrand Tavernier)

"Und dann überrollt es die ZuschauerInnen wie eine Lawine: die Arbeitslosigkeit; der schlechte Ruf von Grand Peùcheurs, der bei der Jobsuche ein Hindernis ist; die idiotischerweise geschlossenen Schulklassen; die erniedrigenden und gewaltsam erzwungenen Ausweiskontrollen; die eingeschlagenen Windschutzscheiben; die Untätigkeit, Anlaß für Verbitterung. Aber andere Welten tun sich nach und nach auf; eine Parallelwirtschaft, ohne die man zu keinem Fernseher käme, Hilfsbereitschaft und gegenseitiger Beistand, für Fremde gar nicht wahrnehmbar. Und es gibt spannende Begegnungen mit Menschen wie Henri Ollivier, der auf seinen Arbeiterstatus stolz ist und sich in der Citè wohlfühlt. Oder mit Bougary Sangarè, einem Sozialarbeiter, der sich nicht geschlagen geben will; mit den Frauen, die Hausaufgabenhilfe für Schulkinder organisieren. Nicht zu vergessen der republikanisch gesinnte Polizist. Und am Ende sagt man sich, daß alle diese Leute, jung und alt, Weiße und Schwarze, RentnerInnen, Arbeitslose, AngestelltInnen - die alle in einem Boot sitzen und vor allem Beachtung wünschen - ihre Bitterkeit schnell überwinden würden, käme ihnen eine entspannte Arbeitsmarktlage, eine vernünftige Wohnungspolitik und ein angemessenes Erziehungssystem entgegen. Sie legen ihre Erwartungen und Hoffnungen gerne dar, unter der Bedingung, daß man ihnen zuhört und Interesse für sie hat." (Jean Belot)

[zurück]